Mazan Moslehe verabschiedete sich schon nach einer Halbserie verabschiedete beim TB Uphusen. © Björn Hake

TB Uphusen: Ein Satz mit X

Beim Oberligisten geben sich Spieler, teils auch Hoffnungsträger, die Klinke schnell in die Hand

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Kader von Fußball-Mannschaften werden vor der Saison und zum Teil auch in der Winterpause umstrukturiert. Die einen Spieler verlassen den Verein, andere kommen dafür. Manchmal ist die Fluktuation höher, manchmal niedriger. Das ist ganz normal, das ist bei jedem Verein so, das gehört zum Geschäft. Und dennoch fällt beim Blick auf die Transferstatistik des Oberligisten TB Uphusen etwas deutlich ins Auge: Die Fluktuation bei den Arenkampkickern ist ungewöhnlich hoch, und das auf mehrere Jahre gesehen.

Über zehn, über 20, teils fast 30 Zu- und Abgänge hatte der TBU in den vergangenen Spielzeiten jeweils zu verzeichnen. Quasi wird von Saison zu Saison der Kader einmal auf links gedreht. Die Spieler geben sich unglaublich schnell die Klinke in die Hand. Die Spieler sind dabei komplett unterschiedlich, ihre neuen Wege genauso. Ein Max Wilschrey kam beispielsweise zur Saison 2016/2017 und verließ den Arenkamp nach einer Spielzeit in Richtung USA. Zum Bedauern des TBU, denn Wilschrey hatte sich positiv entwickelt und mit seinen Toren zum Aufschwung des Oberligisten beigetragen.

Doch es gibt auch diverse Gegenbeispiele. Spieler, die geholt wurden, damit sie dem TBU weiterhelfen – manche sofort, manche in Zukunft. Oftmals wurde auf „frisches Blut“ gesetzt, auf Talente, die sich am Arenkamp entwickeln sollten. Manche waren einfach „schwierige Fälle“, die bei anderen Vereinen gehen mussten. Sie alle hatten aber eines gemeinsam: Sie sollten über kurz oder lang für ruhigere Zeiten in Uphusen sorgen.

Doch das gelang nicht, die wenigsten überzeugten, die meisten mussten wieder gehen, viele von ihnen schnell. Vier, fünf Einsätze, manche auch keinen oder nur einen – so sehen einige Statistiken von ehemaligen Uphuser Oberligaspielern aus. Die Liaison zwischen ihnen und dem TB Uphusen könnte mit der Redensart „Ein Satz mit X, das war wohl nichts“ betitelt werden. Manche von ihnen suchten sich schnell – teils noch innerhalb derselben Saison – einen neuen Verein, manche kehrten zu ihrer alten Mannschaft zurück, manche verschwanden gar in den Tiefen des Transfermarktes.

Unerfüllte Erwartungen

Die Liste dieser Namen ist lang, doch tauchen auf ihr auch einige Namen auf, in die im Vorfeld große Hoffnungen gelegt wurden. Mazan Moslehe zum Beispiel: Er kam vom TSV Ottersberg und schürte große Erwartungen. Diese verpufften jedoch relativ schnell. Seine Bilanz beim TBU: sechs Spiele, ein Tor. Nach einer Halbserie verabschiedete sich Moslehe in die Bezirksliga zum TSV Auetal (in der Nähe von Lüneburg). Ähnlich Patrick Müller. Als Heilsbringer für den Sturm verpflichtet, verließ Müller nach einem Jahr den Verein wieder mit einer Bilanz von elf Spielen und drei Toren.

Mario Gloger war ein weiterer Kandidat, von dem man sich am Arenkamp mehr versprochen hatte. Nach einer Halbserie wechselte er zurück zum TSV Etelsen. Ein Alexander Arnhold beispielsweise brachte es im Uphuser Trikot gerade mal auf einen Einsatz im Niedersachsenpokal. Wenig später stand er plötzlich im Kader des FC Verden 04.

Aladjie Barrie, Kai Schmidt, Egzon Prcani, Alexander Huhn, Christian Heusmann, Colin Okirie, Michel Fischer, Enes Tiras, Alpha Fadiga, Kevin Kuhfeld, Raoni Carneiro Alves, Ömer Kalmis, Lord Hoopmann – und diese Liste kann noch deutlich weitergeführt werden. Manche der Namen bringt man nicht mal in Verbindung mit dem TBU, da ihre Stippvisiten so kurz waren.

Nun kann davon gesprochen werden, dass die Verantwortlichen sich verkalkuliert, verzockt oder einfach Flops geholt haben. Doch ganz so einfach sei die Situation nicht, denn der TBU sei kein Verein, der immer die Spieler bekomme, die er sich auch wünsche. „In Sachen Etat sind und waren wir in der Oberliga ein kleines Licht. Wir haben nun mal bescheidene finanzielle Mittel“, betont der neue Sportliche Leiter und ehemalige Trainer Andre Schmitz.

Und diesen Ton schlägt auch sein Kollege Florian Warmer an: „Wir müssen teils Kompromisse eingehen. Wir haben nicht die super Jugendarbeit und sind daher halt auf andere angewiesen. Zudem guckst du den Jungs nur vor den Kopf. Manchmal muss man es einfach probieren.“ Und manchmal hat man Glück, wie es die Uphuser in Person von Tobias Esche (wechselt nun zum BSV Rehden) hatten. Doch dieses Glück ist eher Mangelware. „Manchmal holt man fünf, sechs Junge und hofft, dass zwei davon gut sind. Manchmal ist es keiner. Man muss halt schauen, was in der Kasse ist, und mehr kann man halt nicht ausgeben“, erzählt Schmitz.

Finanzen im Rahmen

Die beiden Sportlichen Leiter sind sich einig, dass der Weg der vorherigen Coaches – Benedetto Muzzicato und Dennis Offermann – nicht der richtige war. „Der Trainer zu Saisonbeginn hat auf ‚Jugend forscht‘ gesetzt. Aber man hat keine drei, vier Jahre Zeit abzuwarten, ob die Spieler explodieren oder nicht, wenn man gegen den Abstieg spielt. Denn ist man erst mal raus aus der Liga, ist es verdammt schwer, wieder reinzukommen, wie man ja an genügend Beispielen sieht“, sagt Warmer. „Sie haben beide den Unterschied von der Bremen-Liga zur Oberliga Niedersachsen unterschätzt, die Leistungsdichte ist in Niedersachsen viel größer“, sieht Andre Schmitz das Problem bei den beiden Vorgängern von Fabrizio Muzzicato.

Nun sollen es aber ebensolche Spieler in der Rückrunde richten, die zuvor in der Bremen-Liga unterwegs waren. „Die Neuen müssen sich auch erst mal beweisen. Aber wir haben gestandene Qualität geholt. Von den Namen her ist es die beste Uphuser Mannschaft, die es je gab“, freut sich Florian Warmer bereits auf die Rückrunde. Dem pflichtet auch Andre Schmitz bei: „Wir haben immense Qualität dazugewonnen, fußballerisch wie menschlich. Aber Namen schießen keine Tore, dennoch bin ich äußerst zuversichtlich.“ Doch wie war das mit dem, nur so viel auszugeben, wie auch in der Kasse ist? „Ein Nichtabstieg kostet nun mal. Aber wir haben keine verrückten Sachen gemacht. Man muss klar sagen, dass die Situation beim Bremer SV ein Glücksfall für uns ist“, verrät Schmitz.

Bleibt abzuwarten, wie schnell sich die Winter-Zugänge – es sind im Übrigen ganze zehn Akteure – einleben, an die Oberliga gewöhnen und wie nachhaltig der neue Kader ist. Nicht, dass am Ende doch wieder einige mit der Redensart „Ein Satz mit X, das war wohl nichts“ betitelt werden können.

Region/Bremen Bezirk Lüneburg TB Uphusen (Herren) Oberliga Niedersachsen (Herren)

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